Ein Adapter mit DVI-D-Stecker und VGA-Buchse?

Kurz und Knapp

  • Einer von mehreren Unterschieden zwischen DVI-Varianten ist der zwischen rein digitalem DVI-D und sowohl digitalem als auch analogen DVI-I.
  • Unser Adapter mit DVI-D-Stecker und VGA-Buchse enthält keinerlei Signalwandler und kann somit eigentlich nicht funktionieren. An einem DVI-Ausgang, der ein rein digitales Signal ausgibt, funktioniert er tatsächlich nicht, denn es wird dieses digitale Signal ungewandelt an die VGA-Buchse geleitet. Ein VGA-Kabel kann dieses Signal dann nicht aufnehmen.
  • Doch auch wenn die DVI-Spezifikation dies so vorgesehen hat, richtet sich längst nicht jeder Hersteller von Grafikkarten und On-Board-Chipsätzen nach der Spezifikation. Stattdessen gibt es erstaunlich viele Geräte mit einem äußerlich durch seine 24+1 Kontakte erkennbaren DVI-D-Ausgang, der dennoch zusätzlich ein analoges Signal ausgibt. Dies geschieht dann nicht auf den hierfür vorgesehenen Kontakten, von denen ja nicht alle vorhanden sind, sondern über andere und hierfür nicht vorgesehene Kontakte.
  • Der Adapter ist somit keineswegs eine Mogelpackung. Wer einen solchen DVI-Anschluss besitzt, dessen Hersteller sich nicht an die DVI-Spezifikation hält, und hieran einen VGA-Monitor oder -Beamer anschließen möchte, benötigt zwingend diesen Adapter als das einzige Mittel, über das sich VGA-Geräte anschließen lassen.

Ein passiver Adapter zwischen digitalem DVI-D und VGA kann nicht funktionieren, eigentlich.

Auf den ersten Blick bieten wir einen Adapter an, denn es so nicht geben sollte, weil er schlicht nicht funktionieren kann. Denn die Unterteilung in analoges DVI-A, somit also VGA über einen DVI-Anschluss, rein digitales DVI-D sowie die beide Signaltypen vereinende Mischform DVI-I ist von außerordentlich fundamentaler Natur. Und in der Theorie, also der Spezifikation, gehört zu jedem DVI-Typ eine entsprechende Variante des Steckverbinders. Deren Unterschiede bestehen letztlich in der jeweiligen Anzahl der weggelassenen Kontakte. Die Ausgangsbasis bildet mit Dual-Link-DVI-I diejenige DVI-Variante, die sämtliche 29 Kontakte benötigt. Diese sind aufgeteilt auf drei Reihen zu je acht Kontakten sowie den daneben horizontal verlaufende Kontakt mit seinen je zwei Pins darüber und darunter. Aufgrund dieser Anordnung ist extrem selten von 29 Kontakten die Rede, sondern fast immer von einem 24+5-poligen Stecker oder einer entsprechenden Buchse.

Zu jeder Theorie gehört die Praxis, die für DVI in Teilen deutlich von den Vorgaben abweicht. Die DVI-Spezifikation ist eigentlich nicht als Theorie gedacht, sondern als verbindliche Vorgabe. Und diese Vorgabe sieht für ein analoges Signal die Verwendung eines Schemas aus 12+5 Kontakten vor. Ein Adapter auf eine VGA-Buchse kann sich auf diese 12+5 Kontakte beschränken oder weitere zwölf Pins hinzufügen. Natürlich wären dies nichts weiter als tote Kontakte. Doch vor allem kennt die Spezifikation keine Abweichung von der Verwendung der fünf seitlichen Zusatzkontakte. Denn diese bleiben keineswegs tot, sondern werden allesamt genutzt. Doch dies beschreibt den Zustand gemäß der Spezifikation, somit im Reich der Theorie.

Die Haltbarkeit von Spezifikationen: tote Kontakte

Wenn eine Grafikkarte oder ein Mainboard eine 24+5-polige Buchse besitzt, so lässt sich hieraus längst nicht mehr schließen, dass hierüber das Dual-Link-DVI-I-Signal ausgegeben wird, dass durch diese Variante des DVI-Anschlusses gekennzeichnet wird. Sollte die Karte oder der On-Board-Chip kein Dual-Link-DVI beherrschen, also die Verwendung einer zweiten Leitung, um Auflösungen jenseits von FullHD oder 1920×1080 px zu erreichen, so wird niemand ernsthaft erwarten, dass in der Buchse die sechs hierfür vorgesehenen Kontakte weggelassen werden. Denn als Folge hieraus wäre es unmöglich, ein DVI-Kabel mit 24 Kontakten zu verwenden, sondern es müsste zwingend ein Single-Link-Kabel genutzt und möglicherweise erst noch gekauft werden, was absurd wäre, sollte ein Dual-Link-Kabel zur Verfügung stehen. Natürlich sollten die technischen Daten des Computers nicht behaupten, dass er Dual-Link-DVI-fähig sei, wenn er lediglich Single-Link beherrscht.

Bei DVI-Kabeln hingegen wäre es zwar ebenfalls legitim, Stecker mit 24 Pins an einem Single-Link-Kabel mit nur 18 Adern zu verwenden, wenn dies dann auch so benannt und ausgewiesen wird. Jedoch vertreibt kein einziger namhafter Hersteller oder Importeur solche Kabel, weswegen die Vertriebswege entweder über Verwerter von Rest- und Sonderposten laufen oder ein Händler selbst importierte Kabel anbietet. Wenn also ein Kabel mit Dual-Link-Steckern, aber lediglich einer Anzahl von Adern für Single-Link-DVI als Dual-Link-DVI-Kabel angeboten wird, dann ist es für den getäuschten Kunden praktisch unmöglich, ernsthaft nachzuvollziehen, ob der Verkäufer zuvor nicht ebenso getäuscht worden war und überhaupt nicht wusste, dass er Kabel mit sechs unbelegten Kontakten anbietet. Werden solche halbseidenen Kabel erst einmal produziert, etwa weil eine Fabrik in Shenzhen zu viele Dual-Link-Stecker auf Lager hat, zu viele Kilometer Single-Link-Kabel oder gleich beides, dann wird ihnen von Anfang an ein Missbrauchspotenzial mit auf den Weg gegeben. Es ist lediglich ein Potenzial, denn die Produktion kann aus den besagten plausiblen ökonoischen Überlegungen heraus geschehen, zu denen auch ein vermutlich, bedingt durch die höhere Produktionsmenge und somit das Gesetz der Massenproduktion, niedrigerer Preis der 24-poligen Stecker gehört. Wenn dann das Kabel mit einer wahrheitsgemäßen Benennung seines Ausbaus exportiert wird, entscheiden erst auf den Stationen des Vertriebswegs im deutschen Groß- und Einzelhandel Menschen darüber, ob sie dieses Kabel ebenfalls wahrheitsgemäß deklarieren oder stattdessen als Dual-Link-DVI-Kabel anbieten. Bei demjenigen Händler, der es erstmalig falsch deklariert, dürfte dies durchaus mit Vorsatz geschehen, was dann auch strafrechtlich einen Betrug darstellt. Beim Abwägen von Vorteilen und Gefahren wirken die Gefahren in der Tat nicht allzu groß, denn der Verbraucher müsste einen Monitor, der höhere Auflösungen als FullHD beherrscht, über DVI anschließen und nicht, wie inzwischen bei den hohen Auflösungen üblich ist, über DisplayPort. Die Chance, dass niemand die fehlenden sechs Adern bemerkt, ist durchaus vorhanden und auch nicht besonders gering. Und wenn erst einmal ein Großhändler diesen vorsätzlichen Betrug begeht, werden dessen Kunden die Kabel unwissentlich gegenüber dem Verbraucher als Dual-Link-Kabel anbieten. Als juristischer Laie sehe ich ihr noch nicht einmal eine Fahrlässigkeit, denn hierfür müsste das Durchmessen der Beschaltung eines Kabels als Pflichtbestandteil der Wareneingangskonstrolle gelten. Beim Import ganzer Containerladungen sollte dies Teil der Qualitätskontrolle sein, jedoch nicht beim Verkauf vom Groß- an Einzelhändler. Und falls noch jemand zweifelt oder überlegt: Ja, uns sind solche Kabel einmal untergejubelt worden, unter Ausnutzung eines zuvor aufgebauten Vertrauens, was den Betrug noch um die Ausnutzung von Arglosigkeit und bona fide, also Gutgläubigkeit, erschwert. Deshalb fällt diese Schilderung eines DVI-Anschlusses, der nicht das überträgt, was der Steckertyp suggeriert, leider besonders lang aus.

Für unseren Adapter spielt der Unterschied zwischen Single- und Dual-Link jedoch keine direkte Rolle. Indirekt hingegen stellt er ein sehr anschauliches Beispiel für den inzwischen erreichten Ist-Zustand dar, bei der längst nicht mehr anhand der verwendeten Steckverbinder die ausgegebene DVI-Variante identifiziert werden kann, was natürlich vor allem für DVI-Ausgänge gilt. Auch wenn wir hier einmal über den Tisch gezogen wurden, sind solche Mogelkabel kein Massenphänomen. Zudem gibt es einen sehr bedeutenden Unterschied zwischen Kabeln und den Anschlüssen, für die sie vorgesehen sind, denn ein Kabel lässt sich sehr leicht gegen ein anderes austauschen. Erfüllt hingegen ein Mainboard oder eine Grafikkarte nicht das, was sicherlich nicht versprochen, jedoch rein anhand der Art der DVI-Buchse vermutet und erwartet wurde, ist natürlich ebenfalls ein Tausch möglich, doch dieser erfordert ungleich mehr Aufwand und Kosten. Dies gilt mindestens in gleichem Maße für die Ausgabe eines DVI-I-Signals als der zweiten Eigenschaft neben Dual-Link, deren Unterstützung durch eine 24+5-polige Buchse suggeriert wird.

Denn die Theorie, also die Spezifikation, sieht die Verwendung von VGA-Geräten über einen passiven Adapter ausschließlich mit solchen Adaptern vor, wobei auch bei diesem Modell mit seinen 24+5 Kontakten die Hälfte der 24 Pins unbelegt geblieben sind, denn er greift das rein analoge DVI-A-Signal auf, das auf 12+5 Kontakte verteilt ist. Aber angesichts dessen, dass keine DVI-Buchsen mit weniger als 24 physisch vorhanden Kontakten verwendet werden, lässt er sich auf jeden DVI-Ausgang stecken, der die vier Zusatzpins namens C1 bis C4 besitzt und damit andeutet, auch ein analoges Signal zu beinhalten, das sich über einen Adapter wie diesen abgreifen und auf eine VGA-Buchse leiten lässt. Somit entsteht durch die Verwendung eines Steckers mit allen 24 Pins kein Nachteil, denn hierfür müsste sich wirklich erst ein Hersteller finden, der tatsächlich an der Buchse die unbelegten Pins weglässt oder verschließt.

Es lässt sich also aus der Verwendung einer 24+5-poligen DVI-Buchse weniger auf ein Dual-Link-Signal moch auf ein DVI-I-Signal schließen. Wenn sich außer dem vermeintlichen DVI-I-Ausgang noch eine VGA-Buchse an der Grafikkarte befindet, wird immerhin auf diesem Weg sichtbar, dass es sich nicht um einen DVI-I-Anschluss handeln kann. Wenn jedoch die Grafikkarte auf rein digitale Signale setzt und die 24+5-polige Buchse verwendet wurde, weil der Hersteller die DVI-Konventionen nicht hunderprozentig genau nimmt, bleibt zu wünschen, dass der Anwender diese Auffassung teilt. Wir lernen einmal mehr, dass die Zeit vorbei ist, in der sich aus der Art der DVI-Buchse das von ihr ausgegebene Signal herleiten ließe. Sie kann natürlich nur vorbei sein, wenn es diese Zeit jemals gegeben hat, was eher unwahrscheinlich klingt.

Ob das DVI-Signal Dual- oder Single-Link ist, spielt für einen VGA-Adapter keinerlei Rolle. Die maximale Auflösung, die jeder VGA-Ausgang erreicht, beträgt 1920 x 1080 px, auch bekannt als FullHD. Ich selbst habe erst vor kurzer Zeit erfahren, dass VGA FullHD beherrscht und war hierrüber ziemlich überrascht, jedoch eher noch mehr darüber, dies nicht gewusst zu haben. Letzteres kann ich mir noch am ehesten dadurch erklären, dass die meisten Menschen VGA zu einer Zeit genutzt haben, also die FullHD-Auflösung noch keine Rolle spielte und, anderes als heute, die maximale Auflösung einer Grafikkarte einen theoretischen und kaum jemals durch die damals verwendeten Monitore erreichbaren Wert darstellte. Ein FullHD-VGA-Bild sieht technologisch bedingt schwammig, verwaschen und einfach nicht besonders schön aus. Über DVI digital übertragen ist die Qualität um Längen besser, oder konkreter formuliert, über Single-Link-DVI übertragen, dessen maximale Auflösung ebenfalls 1920 x 1080 px beträgt. Hieran erkennen wir eindeutig, dass uns die Frage nach Single- und Dual-Link nicht zu interessieren braucht, wenn wir per Adapter ein VGA-Signal erhalten möchten.

Die Haltbarkeit von Spezifikationen: abweichend belegte Kontakte

Bislang haben wir uns ja ausschließlich mit DVI-Buchsen beschäftigt, die Kontakte besitzen, aber nicht die Signale ausgeben, für die diese Kontakte vorgesehen sind, sondern sie unbelegt lassen. Damit unser Adapter funktionieren kann, was sehr häufig tatsächlich der Fall ist, wie wir aus Kundenrückmeldungen wissen, benötigen wir jedoch eine andere Art von Missachtung der Spezifikation. Wir benötigen einen DVI-Ausgang, der nicht Kontakte unbelegt lässt, sondern mit einem Signal belegt, für das ein anderer Kontakt vorgesehen ist. Das anschaulichste Beispiel hierfür liefern die Kontakte C1 bis C4, also die je zwei Kontakte oberhalb und unterhalb des länglichen horizontalen Kontakts. Ohne das Signal, das gemäß der Spezifikation von ihnen ausgegeben wird, kann es kein VGA-Signal geben.

Da der Adapter jedoch funktioniert, sofern er an einen DVI-Ausgang angesteckt wird, der die Spezifikation missachtet, müssen die Signale, die für VGA benötigt werden, auf einem anderen Weg ausgegeben werden. Denn genau dies geschieht an den DVI-Ausgängen, für die dieser Adapter konzipiert ist. Bisher haben wir Beispielse für die massenhafte Missachtung der DVI-Spezifikation geliefert, um zu zeigen, dass nicht-spezifikationskonforme DVI-Anschlüsse in keiner Weise willkürlich aus der Luft gegriffen sind, sondern inzwischen schon eher die Regel als die Ausnahme. Der DVI-Ausgang, den dieser Adapter benötigt, gibt sich durch seine 24+1 Kontakte als Dual-Link-DVI-D-Ausgang zu erkennen. Damit würde er ein rein digitales Signal ausgeben, frei von jeglichen analogem Ballast, und über die zweite Leitung, die ihm durch Dual Link zur Verfügung steht, läge die maximal erreichbare Auflösung bei 2560 x 1440 px. Dies ist dann auch die maximale Auflösung, die per DVI möglich ist. Kann aber ein Anschluss, der zugleich auch noch VGA-Signale ausgibt, diese Auflösung wirklich erreichen? Wären die vier analogen Kontakte C1 – C4 vorhanden, wäre er zweifelsfrei hierzu in der Lage und auch die Adapter würden weniger Verwunderung hervorrufen. Aber es hat nun einmal jemand irgendwann entschieden, analoge Signale auf einen DVI-D-Ausgang zu legen, warum auch immer. Ich persönlich vermag keinerlei Nutzen an diesem Anschlusstyp zu erkennen, dafür aber die Gefahr eines gewissen Imageschadens für ein Mainboard oder eine Grafikkarte, die ihn verwendet sowie natürlich für dessen Hersteller, sofern er überhaupt erkennbar ist. Denn das Missachten von Spezifikationen ist bislang noch immer ein Erkennungsmerkmal billiger No-Name-Produkte gewesen wie externe Festplattengehäuse mit einer USB-Buchse vom Typ A.

Nur wie funktioniert der Adapter, wie sind also der DVI-D-Stecker und die VGA-Buchse miteinander verbunden? Wir wollten es jetzt wissen und haben es durchgemessen.

Beschaltung des Adapters mit DVI-D-Stecker und VGA-Buchse

DVI-D-PinVGA-Pin
63
72
81
C56
C57
C58
2314
2413

Das VGA-Signal wird auf acht anstatt auf fünfzehn Kontakten ausgegeben, doch dies ist nicht ungewöhnlich und erst recht nicht neu. Wer früher einmal ein Fünfzig-Kilogramm-Monster in Form eines Röhrenmonitors besessen hat, dessen Bildschirmdiagonale von ungefähr 28 Zoll damals als gigantisch galt, erinnert sich mit Sicherheit daran, wie dieses Ungetüm an die Grafikkarte angeschlossen  wurde. Diese Monitor besaßen an der Rückseite meistens fünf, manchmal aber auch nur vier BNC-Buchsen und entsprechend gibt es auch heute noch Kabel mit VGA-Stecker an einem und vier oder fünf BNC-Steckern am anderen Ende.

Drei BNC-Leitungen sind für die Übertragung der drei Farben Rot, Grün und Blau zuständig. Bei fünf Leitungen werden die horizontale und vertikale Synchronisation getrennt geregelt, bei vier Leitungen gemeinsam. Da zu jedem der vier Signale noch eine Masse gehört, genügen acht Kontakte für eine VGA-Übertragung.

Von welchen DVI-D-Kontakten erhält die VGA-Buchse ihre Signale?

Wir müssen uns nun also anschauen, welche Funktion die belegten VGA-Kontakte besitzen und welche Aufgabe normalerweise den Pins des DVI-D-Anschlusses zufällt, mit denen sie verbunden sind. Dies kann bei manchen Kontakten die gleiche Funktion geblieben sein, denn Masse bleibt Masse, aber sicherlich nicht bei allen acht Kontakten. Denn würden alle Kontakte dem Standard entsprechend belegt sein, gebe es keinen Bedarf für DVI-I und ein VGA-Adapter mit DVI-D-Stecker wäre auch nichts, was erklärt werden müsste. Es wäre vollkommen normal, per passivem Adapter ein VGA-Kabel an einen DVI-D-Ausgang anzuschließen, da jeder DVI-D-Ausgang die hierfür erforderlichen Signale enthielte. Doch dem ist bekanntlich nicht so.

Wie also wurde die Aufgabe hier gelöst? Welche Kontakte werden zweckentfremdet und welche Funktionen büßt der DVI-D-Ausgang ein, der nur augenscheinlich ein solcher ist und stellt sie in den Dienst der analogen Übertragung? Die wichtigsten Bestandteile des VGA-Bilds sind das rote, grüne und blaue Farbsignal, das wir auch gleich als erstes auf den VGA-Kontakten 1 bis 3 finden. Bei einem DVI-I-Anschluss würden diese Farben die ersten drei der vier C-Kontakte belegen, von denen uns an der DVI-D-Buchse nur der lange C5 bleibt. Die VGA-Kontakte 1,2 und 3 sind in völliger Übereinstimmung mit allen Spezifikationen bei einem Adapter mit DVI-I- oder DVI-A-Stecker mit den DVI-Kontakten C1, C2 und C3 verbunden, die das analoge Rot-, Grün- und Blau-Signal ausgeben. Unser Adapter hingegen erwartet die drei Farbsignale auf den DVI-Kontakten 6,7 und 8, deren Aufgaben ganz andere sein sollten. Die Kontakte 6 + 7 sind für den Display Data Channel (DDC)  vorgesehen, über den sich der Monitor dem Computer gegenüber zu erkennen gibt, damit dieser den passenden Treiber installiert. Es handelt sich also um die Umsetzung des Überbegriffs Plug & Play für Monitore, die auch bereits in den VGA-Anschluss integriert war. Doch bei dieser DVI-Variante, die irgendetwas zwischen DVI-D und DVI-I sein möchte, kann weder der DVI-D-Anschluss noch der per Adapter nachgerüstete VGA-Anschluss die DDC-Funktion nutzen. Alle Monitore sind hier erst einmal generisch, bis der passende Treiber manuell nachinstalliert wird.

Bei DVI-Pin 8, der das dritte Farbsignal führt, handelt es sich um den einzigen aller 24 Kontakte, der ausschließlich für den analogen Betrieb vorgesehen ist. Er nimmt an diesem Anschluss zwar nicht die Funktion ein, für die er vorgesehen ist, aber es ist in erster Linie wichtig, dass dieser eine einzige analoge Kontakt überhaupt verwendet und damit das DVI-D-Signal nicht noch mehr zerrupft wird. Zunächst aber betrachten wir die Massepins der drei Farbsignale, die sich eine gemeinsame Masseleitung teilen. Die jeweiligen Massepins 6,7 und 8 des VGA-Anschlusses werden auf den langen C5-Kontakt des DVI-D-Steckers geführt, womit zumindest in diesem Punkt eine Lösung gemäß der Spezifikation gewählt wurde.

Bei den beiden letzten belegten VGA-Kontakten müssen wir ein wenig spekulieren, wie der Anschluss arbeitet. Der VGA-Pin 14 liefert das Signal für die vertikale Synchronisation, während Kontakt 13 entweder die horizontale Sychronisation steuert oder wahlweise beide Sychronisationen übernimmt. Da keine weiteren Kontakte belegt sind, wir aber noch eine Masseleitung für die Synchronisation brauchen, ist nur eine einzige Belegung möglich, so merkwürdig sie dennoch erscheint. Der VGA-Standard sieht Pin 10 als den Massekontakt für wahlweise die gemeinsame oder separate Synchronisation vor. Für Pin 10 lässt sich jedoch keinerlei Verbindung zum DVI-Stecker feststellen. Also wird es so sein, dass Pin 13 die horizontale und vertikale Synchronisation steuert und Pin 14 als Masse herhalten muss. Das VGA-Gerät am anderen Ende des Kabels bekommt nur mit, dass es eine Synchronisation gibt. Wie der andere Anschluss diesen erzeugt, stößt hier auf kein Interesse. Da der VGA-Anschluss sich bei den drei Farbsignalen innerhalb der VGA-Spezifikation bewegte, ist diese Lösung dennoch etwas irritierendend, denn es hätte nicht mehr Aufwand bedeutetet, den gegenüberliegenden DVI-Kontakt auf Pin 10 zu führen. Doch welche DVI-Pins sind es denn, die sich hinter den Nummern 23 und 24 verbergen?

Eine DVI-Verbindung besteht aus mehreren Leitungen, zu denen jeweils ein Taktsignal gehört. Ein solches Signal und dessen Massekontakt liegt auf den DVI-Kontakten 23 und 24, sofern denn nicht die Spezifikation umgangen wird. Das Taktsignal auf diesen beiden Kontakten unterscheidet sich in sofern von den anderen Takten, als es an keine bestimmte Leitung gebunden ist. Von daher ist der Gedanke naheliegend, dass genau dieses Signal auch zur Synchronisation einer VGA-Verbindung verwendet werden kann und somit auf den DVI-D-Kontakten 23 und 24 keinerlei Veränderung notwendig ist. Und ob der Massekontakt der VGA-Synchronisation nun auf VGA-Pin 10 liegt oder auf 13, spielte keine wirkliche Rolle.

Fazit

Dies ist nun also die ausführliche Fassung dessen, was in unserer Artikelbeschreibung als nicht spezifikationskonformer DVI-D-Anschluss oder DVI-D-Ausgang, der – entgegen der Spezifikation – auch analoge Signale ausgibt umschrieben wird. Es erweist sich jedoch bestenfalls die technische Beschreibung des Anschlusses als ausführlich, nicht jedoch eine Antwort auf die Frage nach seinem Sinn und Zweck. Ganz im Gegenteil erscheint es noch viel rätselhafter, aus welchem Grund dieser Anschluss geschaffen wurde, der mit halbgar schon sehr treffend charakterisiert wird. Per Adapter wird ein VGA-Ausgang erzeugt, auf die allernotwendigsten Leitungen reduziert ist. Um diesen Mindeststandard zu bekommen, wird wiederum der DVI-Ausgang leicht zurechtgestutzt. Ließe sich auf keinem anderen Weg ein VGA-Signal erreichen, wäre dies alles ja noch akzeptabel, aber es gibt den DVI-I-Standard, dessen Unterschied zu DVI-D genau darin besteht, per passivem Adapter VGA-Geräte anschließen zu können. Kein Hersteller wäre dazu genötigt gewesen, an einem DVI-D-Anschluss herumzubasteln.

Und dennoch hat nicht nur irgendjemand diese Notlösung geschaffen, sondern zahlreiche weitere Hersteller haben sie übernommen. Hierfür vermögen wir bislang keine Erklärung zu finden. Meistens ist der Grund für solche eigenmächtig vorgenommenen Abweichungen von den Standardanschlüssen unter den Kosten zu finden, doch auch diese Erklärung vermag hier nicht zu greifen. Denn es ist noch nicht einmal gesichert, dass DVI-D-Buchsen und -Stecker überhaupt preisgünstiger sind als ihre jeweiligen DVI-I-Pendants. Die Preise für diese Bauteile werden zudem schwanken und manchmal wird DVI-I teurer sein, manchmal aber DVI-D. Und überhaupt bewegen wir uns hier im Centbereich, wenn nicht sogar im Bereich unterhalb eines Cents.

Wenn es aber nicht die Kosten sind, welchen Grund sollte es dann geben, anstelle eines DVI-I-Ausgangs diese deutlich minderwertigere Lösung mit der DVI-D-Buchse zu verwenden? Diese Frage muss leider vorerst unbeantwortet im Raum stehenbleiben.

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