Diese Woche erreichte uns eine interessante Kundenanfrage zu unserem PCI-Express-Stromadapter für Grafikkarten.

6-pin-PCIe-Kabel
Wir bieten diese Kabel ausschießlich in der klassischen Ausführung mit zwei Molex-Anschlüssen an. Inzwischen sind aber auch Kabel erhältlich, bei denen nur ein Anschluss vorgesehen ist wie bei diesem Modell von Hama.
Die Frage des Kunden war nun, welches Kabel er nehmen soll. Warum brauchen unsere Kabel und die vieler anderer Anbieter zwei Molex-Stecker wenn doch auch einer auszureichen scheint? Muss man also gleich zwei Molex-Anschlüsse opfern und tut es auch nur einer?
Diese Frage kann man nur mit einem klaren Kommt drauf an beantworten. Genauer gesagt kommt es auf das Netzteil an, oder noch genauer auf die 12-Leitung oder auch -Leitungen des Netzteils.
Ein PC-Netzteil liefert ja unterschiedliche Spannungen auf getrennten Leitungen. Schauen wir uns einmal den klassichen vierpoligen Molex-Stecker an, so finden wir in der Mitte zwei schwarze Adern, die Masse, englisch Ground, daher die Abkürzung GND. Die beiden äußeren Pole sind einmal rot, das ist die 5V-Leitung, und einmal gelb, die 12V-Leitung. Mit diesen vier Adern wurden über viele Jahre IDE-Laufwerke mit Strom versorgt.
Die CPU benötigt ebenfalls 12V und 5V. Die dritte Spannung, 3,3V, fristet vergleichsweise ein Schattendasein. Traditionell wurde sie nur über den Mainboardanschluss hinausgeführt, um den Arbeitsspeicher zu versorgen. Heute ist sie aber auch Teil des SATA-Stromanschlusses, was einer der Gründe dafür ist, warum die Zahl der Pole beim Übergang von IDE zu SATA von vier auf 15 explodiert ist. In einem originär am Netzteil verbauten SATA-Stromstecker sind auch die 3,3V-Pole belegt. Die Festplattenhersteller verzichten bislang aber auf die Nutzung dieser Spannung, denn andernfalls würden die Laufwerke nicht anspringen, wenn man sie mittels eines Stromadapters versorgt. Da der Molexstecker keine 3,3V führt, können diese bei einem Adapter nicht belegt werden.
Aber uns interessieren ja die stromhungrigsten aller Komponenten, die Grafikkarten. Eine Grafikkarte braucht 12V, und zwar nur 12V und davon gerne auch mal sehr reichlich. Deshalb sollte die erste Frage immer lauten: Ist mein Netzteil überhaupt in der Lage, meine Grafikkarte stabil zu versorgen? Sie sagen jetzt vielleicht: Na sicher, ich habe doch ein 400W-Netzteil. Doch diese 400W sagen erst einmal gar nichts, denn es kommt drauf an, wie sie sich berechnen.
Erinnern wir uns also an den Physikunterricht in der neuten oder zehnten Klasse. Was ist Leistung? Leistung wird in Watt gemessen und ist das Produkt aus Stärke, gemessen in Ampere, und Spannung, gemessen in Volt. P=U x I, wir erinnern uns. Für die Gesamtangabe der Leistung eines Netzteil führt man diese Rechnung für jede der drei Spannungen aus und die Summe daraus ergibt die Gesamtleistung.
Da ein heutiger Gaming-PC sehr viel Leistung aus 12V-Spannung benötigt, sehr wenig 5V und noch weniger 3,3V, können wir zwischen nützlicher und unnützer Leistung unterschieden. Es wurden schon Altbestände von Netzteilen auf den Markt geworfen, die sagenhaft starke 5V-Leitungen hatten, dafür aber extrem schwachbrüstige 12V-Schienen. In der Summe kamen die Hersteller auf 380W, aber trotzdem brach das System zusammen, wenn eine High-End-Grafikkarte zu versorgen war.
Heutige Oberklasse-Netzteile bringen manchmal drei 12V-Schienen zu je 25A mit sich. Hier bricht nie etwas zusammen, aber wenn Sie einen Adapter brauchen, um den 6-poligen PCIe-Stecker nachzurüsten, haben Sie vermutlich ein älteres Netzteil, das auch nicht in erster Linie für Gamer konzipiert wurde.
Aus dem 6-poligen Anschluss holt die Grafikkarte sich bis zu 75W Leistung. 75W / 12V = 6,25 Ampere Stärke, mit denen die Grafikkarte unter Volllast das Netzteil beansprucht. Nur die Grafikkarte und auch nur über den 6-pin-Anschluss. Weitere 75W, also noch einmal 6,25A, bezieht sie über den PCI-Express-Slot des Mainboards. Hängt die Grafikkarte also auf einer einzigen 12V-Leitung, beansprucht sie diese mit 12,5A. Dazu kommen noch die CPU und die Laufwerke. Fazit: Das wird knapp.
Deshalb sollten Sie die Leistungsverbraucher in Ihrem System gut verteilen. Hat das Netzteil zwei oder gar drei 12V-Leitungen mit 20A Stärke oder mehr, können Sie eine Leitung nur für die Grafikkarte reservieren und, wenn der PCIe-Stecker fehlen sollte, auch ohne Bedenken mit einem Adapterkabel mit nur einem Molex-Anschluss betreiben.
Meistens findet man aber nicht eine solche Ausgangslage vor. In diesen Fällen ist es ratsam, die Last der Grafikkarte auf zwei 12V-Schienen aufzuteilen, um nicht eine Leitung über Gebühr zu belasten. Und genau dafür nimmt man dann besser ein Adapterkabel mit zwei Molex-Steckern, die gemeinsam die Grafikkarte versorgen.